Tutorial: Modellbahnfotografie

January 14, 2015  •  Leave a Comment

Aus aktuellem Anlass habe ich mich entschlossen, hier ein Tutorial für das Fotografieren von Modelleisenbahnen zu veröffentlichen. Kaum jemand unter den Modelleisenbahnern wird nicht schon einmal vor der Herausforderung gestanden sein, ein Modell oder einen Abschnitt der Anlage fotografisch festhalten zu wollen. Mit einer eigenen Anlage kann man mitunter üben, ansonsten bleiben die Resultate vielfach dem Zufall überlassen. Wenn ihr mit der Maus über die Bilder fährt, werden die Aufnahmeinformationen eingeblendet.

Ausrüstung

 

Für die optimalen Ergebnisse sollte man sich in erster Linie mit seiner Kamera vertraut machen. Nahezu unumgänglich ist es, mit Blenden- oder Zeitautomatik in die sonst automatische Belichtung der Kamera eingreifen zu können, oder die ISO Voreinstellung der Kamera vorzunehmen. Weiters ist der Einsatz eines Stativs von Vorteil. Bei vielen Schauanlagen ist oft ein Geländer als Abgrenzung der Anlage zum Besucherraum vorhanden, auf dem die Kamera abgestützt werden kann. Auf dieses kann die Kamera natürlich auch stattdessen aufgelegt werden, die Möglichkeiten für den erzielbaren Bildausschnitt werden dadurch aber beschränkt. Schauanlagen sind in der Regel sehr gut mit Kunstlicht ausgeleuchtet, hier Bedarf es nur einer richtigen Einstellung des Weißabgleichs.

Ein Blitz kann, abhängig von der verwendeten Perspektive und der Aufnahmesituation hilfreich sein, die besten Erfolge werden natürlich mit indirektem Blitzen mittels Aufsteckblitz einer Spiegelreflexkamera erzielt (Das Nonplusultra wäre natürlich die Ausleuchtung des Motivs per Lichtanlage). Auch hier ist es wichtig, sich vorher umfassend mit dem eigenen Blitz auseinanderzusetzen. Der eingebaute Blitz in Kompaktkameras wird in den meisten Fällen eher kontraproduktiv für das Ergebnis sein, in diesem Fall würde ich ohne Blitz arbeiten.

Bildgestaltung

 

Wie auch in der Landschaftsfotografie sollte man sich als Fotograf vorher überlegen, was man mit dem jeweiligen Foto darstellen möchte. Da der Maßstab zum Original in meinen Beispielen 1:87 - Spur H0 oder H0e -ist, macht es einen Riesenunterschied in der Herangehensweise, ob man das Detail einer Lokomotive oder die Anlage mit einem Zug als Gesamtkomposition darstellen will. Die Entfernung zum Motiv schwankt je nach Variante von einigen Zentimetern bis hin zu mehreren Metern.  

Austrian Federal Railways 1189 Train ChassisÖBB 1189 DetailNikon D200 105mm F32/28sec, kein Blitz

Erlauf-Kienbach und Kienbach-KlausblückeMariazellerbahn - Modellbahmuseum Erlauf-Kienbach und Kienbach-KlausblückeNikon Df 105mm F32/15sec, kein Blitz

Natürlich fordert auch die Geometrie ihren Tribut, und schief verlaufende Linien wie zum Beispiel Oberleitungsmasten oder Häuserkanten sollten wenn möglich vermieden werden. Dies geht natürlich nur dann, wenn der Erbauer der Anlage ebenfalls auf diesen Umstand Rücksicht genommen hat. 

Weiters versuche ich, wenn möglich die Perspektive so zu wählen, dass der Rand der Anlage nicht mehr dargestellt wird. Kahle Wände, Zuschauer oder Geländer lenken vom eigentlichen Bildausdruck ab.

Einmal abheben 

ist ein Vorsatz, den ich mir gerne immer wieder in Erinnerung rufe. Was im 1:1 Maßstab unseres Planeten nur mittels Hubschrauber oder Drohne möglich ist, schafft man in kleinem Maßstab mit einfachen und leistbaren Hilfsmitteln wie der Höhenverstellung des Stativs oder einer Leiter. So werden Atemberaubende Luftaufnahmen aus der Vogelperspektive zum echten Hingucker. Auch hier sollte man darauf achten, dass das Auge nicht von störenden Bildelementen am Anlagenrand abgelenkt wird. 

Miniatur Wunderland HamburgMiniatur Wunderland HamburgLuftaufnahme vom 1. Stock über den Abschnitt der Schweiz im Miniatur-Wunderland in Hamburg. Nikon D200 18mm 1/60 F5, Aufsteckblitz mit Weitwinkel - Streuscheibe

Kameraeinstellungen

 

Wie schon vorher gesagt, ist es zuerst wichtig zu wissen, ob es einem um Details oder eine Landschaftsaufnahme geht. Bei den kleinen Abbildungsmaßstäben der Modelle wird oft mit Teleobjektiven beziehungsweise Zooms gearbeitet, deren Schärfentiefe bewusst gesteuert werden muss. Zur Steuerung dieser verwende ich bei statischen Aufnahmesituationen die Zeitautomatik, meist "A" auf der Kamera. Je nachdem, welcher Wert hier eingestellt wird, beziehungsweise wie nah man dem Objekt mit dem Objektiv ist variiert der Schärfebereich des Bildes von einigen Millimetern gegen unendlich. Bis man dieses Spiel einigermaßen im Griff hat, kann man sich mittels Tools, wie zum Beispiel dem DOF Calculator aushelfen, indem man Kameratyp, Brennweite, Blende und Distanz vom Objekt eingibt, um diese Informationen im Vorhinein zu erhalten.

Details

 

Widmen wir uns zuerst den Details. In diesem Fall stellen wir als Faustregel bei der Zeitautomatik einen möglichst niedrigen Wert (2.8,3.5,4.5...) ein, damit sich der Vordergrund durch eine Unschärfe des Bildhintergrundes abhebt - dies ist nur eine Faustregel, denn hat man durch eine Fixbrennweite keine Möglichkeit des Zooms und muss sehr nahe am Objekt stehen, kann der Schärfebereich auch bei einem hohen Blendenwert nur einige cm betragen - das einzige das hier hilft ist Rechnen und Übung. In untenstehendem Bild der Kuppelstange einer Lokomotive blieb mir keine andere Postion als etwa 40 cm von der Lokomotive entfernt, mit dem Makroobjektiv mit 105 mm Brennweite hat sich der Schärfebereich für das bei Blende 29 entstandene Bild bei ganzen 1,2 cm bewegt. Diese Faustregel gilt also indirekt proportional zu Brennweite und Distanz vom Objekt. Hätte ich, wie in der vorher zitierten Regel die Blende auf den geringstmöglichen Wert gestellt, wäre der Schärfebereich bei 0,12 (!) cm gewesen.    

Austrian Federal Railways 1189 Power TransmissionKuppelstange ÖBB 1189

Anbei noch ein Bild wo die Faustregel aufgrund einer größeren Entfernung funktioniert, das Bild wurde mit 1/60 und f5 aufgenommen, der Hintergrund vom Heißluftballon zeichnet sich durch gleichmäßige Unschärfe vom Hauptmotiv ab.

Miniatur Wunderland HamburgMiniatur Wunderland HamburgNikon D200, 105mm 1/60 f5

 

Landschaftsaufnahmen bei statischen Motiven

 

Wenn wir die Faustregel von vorher zur Hilfe nehmen, stellen wir nun bei statischen Objekten in der Zeitautomatik eine möglichst große Blendenzahl ein, um das Maximum an Schärfentiefe herauszuholen. Um das Bildlich zu sprechen, findet ihr unten wieder ein Beispielbild. Mit Brennweite 105mm und einer Entfernung von 2 Metern beträgt der Schärfebereich  beim folgenden Bild bei Blende 32 etwa 44cm. Man sieht, dass die Schärfe im linken Bilddrittel beginnt nachzulassen. Ich mag den Effekt hier, bei einem langen Zug im Bahnhof wären aber auch dessen Details am Zugschluss unscharf und damit für mich störend.

Bahnhof Gösing, Modellbahnmuseum MariazellerbahnNikon Df, 105mm f32/10sec, kein Blitz

Wenn man diesen Effekt als Störend empfindet, empfiehlt sich entweder eine höhere Blendenzahl, ein entfernterer Kamerastandpunkt, oder aber eine Änderung der Perspektive zur Seite, um den ganzen Zug im Schärfebereich zu haben. In folgendem Beispiel habe ich die Blendenzahl erhöht und damit den Schärfebereich um einiges vergrößert. (die Blickrichtung ist von der anderen Seite des Bahnhofs bei ähnlicher Entfernung)

1099.013 Bahnhof Gösing1099.013 Bahnhof GösingNikon DF 105mm F36/15sec, kein Blitz

 

Landschaftsaufnahmen bei bewegten Motiven

 

Bei bewegten Motiven gilt natürlich das gleiche Zusammenspiel von Schärfentiefe, Brennweite und Motivabstand. Mit den gleichen Parametern wie zuvor wäre zwar bei richtiger Bildgestaltung die Schärfe an sich in Ordnung, der Zug hätte aber durch die lange Belichtungszeit eine deutliche Bewegungsunschärfe. Dies kann man, wie bei untenstehendem Bild als gestalterisches Mittel benutzen, allerdings passt es thematisch eher zu Hochgeschwindigkeitszügen, als zu 100 Jahre alten Elektrolokomotiven. Damals hatte ich kein Stativ mit, und war mit dem Blendenwert von 4.5 am Limit des Objektivs angelangt - besser hätte es mir gefallen, wenn sich die Bewegungsunschärfe durch das ganze Bild ziehen würde und auch mehr vom Vordergrund scharf wäre.

Miniatur Wunderland HamburgICE Knuffingen, Miniatur Wunderland HamburgNikon D200, 50mm, f4.5 1/10sec

Um die Belichtungszeit kurz zu halten, besteht für diese Situation nur die Möglichkeit, sich den Bildsensor der Kamera mittels Erhöhung der ISO - Zahl empfindlicher zu machen, den Abstand zu vergrössern oder die Blendenzahl zu verringern. Ich verwende hier die Blendenautomatik ( "S" bei den meisten Kameras, hier wird die Belichtungszeit voreingestellt) um mich an die optimale Belichtung bei voreingestellter Belichtungszeit heranzutasten.  Je nach Kameratyp leidet die Bildqualität ab einer bestimmten Empfindlichkeit merkbar unter einer Erhöhung der ISO Empfindlichkeit, deshalb sollte man diese nur so hoch, als für die Aufnahme nötig wählen. Das Ergebnis ist - zumindest bei mir in dieser Situation - bisher immer ein Kompromiss gewesen, da zu geringe Schärfentiefe, leichte Bewegungsunschärfe und eine zu hohe ISO Zahl ähnliche Ergebnisse im Resultat gemeinsam haben. Untenstehend angeführt ist einer dieser Kompromisse -aufgenommen mit 105mm, 1/100 Sekunde Belichtung und ISO 3200. In dem Fall war mir wichtig, dass die Lokomotive, die Brücke und das Tunnelportal scharf sind, am Ende des Zuges ist eine deutliche Unschärfe wegen der niedrigen Blendenzahl zu sehen. 

ZinkentunnelZinkentunnel - Modellbahnmuseum MariazellerbahnNikon Df, 105mm 1/100sec f5, kein Blitz

Das war´s mit dem Tutorial zur Modellbahnfotografie, ich hoffe es hilft dem einen oder anderen bei Fotos von der eigenen Anlage oder größeren als Ausflugsziel. Meine Empfehlungen sind hier das Mariazellerbahn - Modellbahnmuseum in Kirchberg an der Pielach für Freunde der Mariazellerbahn bzw. das Miniatur-Wunderland in Hamburg für Freunde der ultimativen Modellbahnanlage.

Kommentare, Wünsche, Anregungen und Verbesserungen sind gerne in den Kommentaren gesehen.  


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